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Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie

Psychotherapie wirkt. In Überblicksstudien geht man von einer Effektstärke von 0,88 aus. Bei der Effektstärke handelt sich um ein Maß für die Wirksamkeit einer medizinischen oder psychotherapeutischen Maßnahme. 0,88 steht dabei für eine sehr wirksame Maßnahme. Zum Vergleich: Bypass-Operationen haben einen Wert von 0,8. Rein statistisch gesehen ist für jeden Patienten die Wahrscheinlichkeit also hoch, dass es ihm innerhalb weniger Monate spürbar besser geht (s. auch in diesem Beitrag der Bundespsychotherapeutenkammer).

Allerdings: auch Psychotherapie hat Nebenwirkungen. Diese sind aber bislang weniger erforscht. Ersten Studien zufolge verschlechtert sich bei etwa jedem zehnten Patienten das Befinden während der Therapie. Die Befundlage, wie hoch der Anteil der Patienten ist, bei dem sich der Zustand wederverschlechtert noch verbessert, ist unklar Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Therapeuten mitteilen, falls Sie sich in der Therapie schlechter fühlen oder keine Fortschritte wahrnehmen. Ihr Therapeut kann dann die Therapie entsprechend anpassen oder ggf. begleitende Hilfen einleiten. Ein Sonderfall sind Befindensverschlechterungen zu Beginn der Therapie. Die kommen einerseits oft vor, sind aber andererseits kein Anzeichen dafür, dass etwas nicht gut läuft – ganz im Gegenteil: In der Regel werden in der Psychotherapie Dinge besprochen, die der Patient noch nie jemandem anvertraut hat. Zudem gehört zur Therapie die Auseinandersetzung mit den eigenen, ungeliebten Seiten. Krisenhafte Entwicklungen sind dann möglich, diese werden aber gezielt therapeutisch genutzt, um Strategien zu lernen, anders mit emotionalem Stress umzugehen.

Insbesondere in der Verhaltenstherapie gibt es Übungen, sog. Expositionen, die vorrübergehend mit einer hohen emotionalen Belastung einhergehen. Bei diesen Belastungen handelt es sich nicht um eine Nebenwirkung, sondern sie werden gezielt ausgelöst, um Fortschritte zu erzielen. In Expositionen lernt der Patient, seine Ängste in Situationen zu bewältigen, die er zuvor vermieden hat. Diese Übungen werden intensiv vor- und nachbereitet, um die Belastung gut zu dosieren und sicherzustellen, dass der gewünschte Lernfortschritt auch erzielt wird.

Eine Nebenwirkung kann auch eine zu hohe Abhängigkeit der Patienten vom Psychotherapeuten sein, in der Literatur als ‚Woody-Allen-Syndrom‘ beschrieben („Ich muss erst mal meinen Psychotherapeuten fragen“). Einer solchen Gefahr begegne ich, indem ich den therapeutischen Prozess transparent (also für den Patienten durchschaubar) und von der Zeitdauer her so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich gestalte. Zudem vermittele ich Kompetenzen (z.B. Problemlösestrategien oder Entscheidungstools), die Sie in einer autonomen Lebensführung unterstützen.

Als weitere Nebenwirkung sind Partnerschaftskonflikte, die sich im Zuge der Therapie entwickeln, zu nennen. Insbesondere bei chronischen Störungen gibt es eingeschliffene Beziehungsmuster, die so nicht mehr funktionieren, wenn sich das Befinden des Patienten verbessert. Exemplarisch sei hier der depressive oder selbstunsichere Patient genannt, der anfängt, bei verbessertem Selbstwertgefühl dem Partner gegenüber Wünsche, Erwartungen oder Kritik zu formulieren. Ich führe in den meisten Psychotherapien ein bis zwei sog. Systemgespräche durch. In diesen Sitzungen wird der Partner oder eine andere wichtige Bezugsperson eingeladen, um solche Entwicklungen zu besprechen und Strategien einzuleiten, die ggf. zu einer Verbesserung der Partnerschaft oder familiären Situation beitragen (lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein ZEIT-Artikel vom 06.12.2012).

Zusammenfassend kann man daher sagen, dass Nebenwirkungen in der Therapie zwar einerseits möglich sind, dass diese aber andererseits bei kompetenter Führung und Begleitung der Therapie gut beherrschbar sind und hier die positiven Effekte solche Nebenwirkungen deutlich überwiegen.

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