In der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe (36/2014) geht es in dem Leitartikel "Gegen die Uhr" um das beschleunigte Leben und - wie es im Untertitel heißt – „der hektischen Suche nach einem entschleunigten Leben“. Darüber ist schon oft geschrieben worden, auch gibt es mittlerweile zahlreiche Bücher zu diesem Thema. Hier einige Fakten aus dem Artikel:

Nun könnte man allerdings meinen, dass die gestiegene Produktivität eigentlich Zeit spart, die wir dann mehr zur Verfügung hätten. Paradoxerweise wird in allen Industriegesellschaften aber Zeitnot beklagt. Soziologen erklären dies Phänomen damit, dass mithilfe der optimierten Arbeits- und Alltagsprozesse die Zahl der Handlungsoptionen wächst. Es kann also viel mehr in ein einziges Leben hineingepackt werden. Und das tun wir auch. Aufgrund der Säkularisierung in den westlichen Gesellschaften fehlt die jenseitige Perspektive, so dass das Projekt Lebenserfüllung vor dem Tod erledigt sein muss.

In dem SPIEGEL-Artikel fehlt meiner Meinung nach die Gender-Perspektive. (Viele) Männer lieben Geschwindigkeit und geben – nicht nur beim Autofahren – gerne einmal Gas. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber das ‚Immer mehr – immer schneller’ zum beherrschenden Lebensmotto wird, wird aus der Liebe zur Geschwindigkeit Speed-Sucht. Um im Autobild zu bleiben: es wird vergessen, dass das Auto auch Bremspedal und Kupplung hat. Und man den Wagen auch stehen lassen kann, um z.B. auszusteigen, langsamer zu gehen. Oder Müßiggänger zu werden? Eine Anregung, die auch im SPIEGEL-Artikel nachzulesen ist.

Müßiggang ist nach Wikipedia „das Aufsuchen von Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen. Er geht zum Beispiel mit geistigen Genüssen oder leicht vergnüglichen Tätigkeiten einher, kann jedoch auch das reine Nichtstun bedeuten.“

Ich denke, dass Müßiggang in einer beschleunigten Zeit eine echte Bereicherung darstellt. Ohne dies mit Studien belegen zu können, glaube ich, dass konsequentes und regelmäßiges Müßiggehen depressive Entwicklungen vorbeugen kann. Depressive sind Pflichtmenschen. Müßiggang trainiert das pflichtfreie und leicht vergnügliche Sein – auch Nichtstun ist erlaubt.

Abschließend einige Anregungen, wie Sie den Müßiggang im Alltag üben können.