Veröffentlicht von am in Prävention seelische Männergesundheit

Im Magazin der aktuellen ZEIT-Ausgabe (38/2014) geht es um Männer, die auch mal ‚unangestrengt sein dürfen‘ und um ‚Typen, die nicht immer beweisen müssen, wie stark sie sind'. Als Beispiele für diese Art von Lässigkeit werden Topmodel Tony Ward und der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert genannt. Inwieweit ein Model, das sich entspannt ablichten lassen kann, tatsächlich entspannt ist, ist schwer zu beurteilen. Auch der Text zu Ward gibt wenig Hinweise, inwieweit außen und innen übereinstimmen. Überzeugender ist da Wickert, der in dem Interview offenbart, dass er so „wunderbar nichts tun kann“. Und da sind wir wieder beim Thema Müßiggang, worüber ich ja bereits geschrieben habe.

Spannender finde ich die Frage, was das eigentlich sind: entspannte und lässige Kerle? Das ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Hier ein paar Annäherungen:

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In der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe (36/2014) geht es in dem Leitartikel "Gegen die Uhr" um das beschleunigte Leben und - wie es im Untertitel heißt – „der hektischen Suche nach einem entschleunigten Leben“. Darüber ist schon oft geschrieben worden, auch gibt es mittlerweile zahlreiche Bücher zu diesem Thema. Hier einige Fakten aus dem Artikel:

  • die Schrittgeschwindigkeit in den Großstädten hat in den letzten zehn Jahren um 10 % zugenommen.
  • Abitur macht man heute nach acht und nicht mehr nach neun Jahren, den Bachelor-Abschluss gibt es bereits nach vier Jahren Studium.
  • In Folge nimmt die Freizeit ab. Besonders drastisch zeigt sich der Verlust der Eigenzeit bei Familien, die weniger als 3 h täglich miteinander verbringen.
  • Arbeitsverdichtung ist in aller Munde. Von 1991 bis 2006 verbesserte sich die Produktivität je Erwerbstätigenstunde um fast ein Drittel.

Nun könnte man allerdings meinen, dass die gestiegene Produktivität eigentlich Zeit spart, die wir dann mehr zur Verfügung hätten. Paradoxerweise wird in allen Industriegesellschaften aber Zeitnot beklagt. Soziologen erklären dies Phänomen damit, dass mithilfe der optimierten Arbeits- und Alltagsprozesse die Zahl der Handlungsoptionen wächst. Es kann also viel mehr in ein einziges Leben hineingepackt werden. Und das tun wir auch. Aufgrund der Säkularisierung in den westlichen Gesellschaften fehlt die jenseitige Perspektive, so dass das Projekt Lebenserfüllung vor dem Tod erledigt sein muss.

In dem SPIEGEL-Artikel fehlt meiner Meinung nach die Gender-Perspektive. (Viele) Männer lieben Geschwindigkeit und geben – nicht nur beim Autofahren – gerne einmal Gas. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber das ‚Immer mehr – immer schneller’ zum beherrschenden Lebensmotto wird, wird aus der Liebe zur Geschwindigkeit Speed-Sucht. Um im Autobild zu bleiben: es wird vergessen, dass das Auto auch Bremspedal und Kupplung hat. Und man den Wagen auch stehen lassen kann, um z.B. auszusteigen, langsamer zu gehen. Oder Müßiggänger zu werden? Eine Anregung, die auch im SPIEGEL-Artikel nachzulesen ist.

Müßiggang ist nach Wikipedia „das Aufsuchen von Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen. Er geht zum Beispiel mit geistigen Genüssen oder leicht vergnüglichen Tätigkeiten einher, kann jedoch auch das reine Nichtstun bedeuten.“

Ich denke, dass Müßiggang in einer beschleunigten Zeit eine echte Bereicherung darstellt. Ohne dies mit Studien belegen zu können, glaube ich, dass konsequentes und regelmäßiges Müßiggehen depressive Entwicklungen vorbeugen kann. Depressive sind Pflichtmenschen. Müßiggang trainiert das pflichtfreie und leicht vergnügliche Sein – auch Nichtstun ist erlaubt.

Abschließend einige Anregungen, wie Sie den Müßiggang im Alltag üben können.

  • Verbringen Sie ein bis zwei Abende in der Woche medienfrei, d.h. kein Fernsehen, kein Internet, kein Smartphone oder Tablet.
  • Schauen Sie einmal am Tag – gedankenlos – in den Himmel.
  • Machen Sie einmal täglich für 5 bis 10 min: nichts! Wenn Sie ein strukturiertes Nichtstun benötigen: lernen Sie eine Meditationstechnik.
  • Leben Sie im Urlaub oder immer mal wieder am Wochenende für ein bis zwei Tage einfach und planlos in den Tag hinein.
  • Spielen Sie wieder, z.B. mit den Kindern – einfach nur aus Lust und ohne pädagogisches Ansinnen.
Neueste Kommentare - Zeige alle Kommentare
  • Ernst Weidenhöfer sagt #
    Der Begriff Müßiggang war mir nicht mehr geläufig. Was mir spontan dazu einfiel war die Aussage meiner Grossmutter (Jahrgang 1892)
  • Christian Eichler sagt #
    https://www.youtube.com/watch?v=tD1KNRU4icM
  • Christian Eichler sagt #
    Ein stetig wachsendes Problem, welches bereits früh (siehe Filmlink unten) erkannt wurde, jedoch "nie" richtig angegangen wurde. A
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Nachhaltig verändern

Gesundheit hat viel mit Lebensgewohnheiten zu tun. Die sind aber nicht so leicht zu ändern. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: ‚Der Mensch ist ein Gewohnheitstier‘. Mit Hilfe welcher Strategien Sie nachhaltige Veränderungen einleiten können, soll es im folgenden Blog gehen.

Veränderungen brauchen Zeit und kosten Kraft. Nur woher nehmen? Hier stellt sich also die Frage der Motivation. Motivierend kann z.B. eine kraftvolle Vision. Oder weniger prosaisch formuliert: wirksame Ziele. Wirksam oder wirkungsorientiert sind Ziele, wenn sie uns zur Umsetzung motivieren, also die Umsetzung wahrscheinlicher machen. Und da bietet die systemische Beratung oder Verhaltenstherapie Kriterien für wirksame Ziele. Ziele sollten – damit sie ihre Wirkung entfalten –möglichst positiv, konkret und attraktiv formuliert sein. Und die Umsetzung sollte allein in Ihrer Verantwortung stehen, also nicht von Dritten abhängig sein.

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Heute ein Beitrag von Dr. Reinhard Winter, Leiter vom Sozialwissenschaftlichen Institut Tübingen (SOWIT) und Autor zahlreicher Publikationen.

Wie fühlt es sich an, männlich und gesund zu sein? Das Modell der „balancierten Männergesundheit“ will darauf Antworten geben. Es arbeitet mit verschiedenen Aspekten des Männerlebens, die einander bedingen, nützen und fördern: so z.B. die Aspekte „Leistung“ und „Entspannung“. Das Balance-Verständnis ist nicht statisch, sondern funktioniert mehr wie eine Wippe. Ziel ist es, eine Sensibilität dafür zu entwickeln, wann es wichtig wird, den jeweiligen Gegenspieler zu akzentuieren, zu stärken oder sie weiter zu entwickeln.

Wie kann das am Beispiel der Leistungs-Entspannungs-Balance aussehen? Leistung meint das produktive Nützen von Kräften und Energien, von Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Ausnutzen der eigenen Leistungsfähigkeit. Die Lust am Leisten gehört genauso dazu, wie auch der Stolz auf Gelungenes. Leistung heißt, mit seinen Ideen oder Leidenschaften etwas zu Wege zu bringen, also nicht nur Erwerbsarbeit, sondern viel grundsätzlicher: das Produktivsein für sich selbst und für sein soziales Umfeld. Ungesund wird Leistung, wenn sie ausschließlich oder zu stark betont wird. Um längerfristig leistungsfähig zu sein oder zu werden (!) ist der Aspekt der Entspannung notwendig, also die Fähigkeit, sich zu erholen: im Einfach-so-Sein, Genießen, das Lösen muskulärer und mentaler Anspannungen. Diese Entspannung meint also nicht (nur) leistungsorientierte Erholung (z.B. im Sport), auch nicht konsumierendes „Ablaschen“ (Fernsehen, Chips, Bier). Entspannung entfaltet sich in der Kunst des Nichtstuns, spürbar darin, dass sie zu neuer Anstrengung motiviert und befähigt.

Die Leistungs-Entspannungs-Balance ist einfach zu verstehen: Gutes Leisten ist nicht schlecht, aber wer viel leistet, muss auch viel entspannen – sonst schadet die Leistung seiner Gesundheit. Wer sich nur entspannt, lebt auch nicht gesund, sondern schlafft ab – er braucht mehr Leistung fürs männliche Gleichgewicht!

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1. Lernen Sie ein Entspannungsverfahren! Egal ob Yoga, autogenes Training oder Zen-Meditation:
wer eine Entspannungsmethode beherrscht, lernt die körperlichen Stress-Reaktionen zu
kontrollieren. Der erste Schritt, um gelassener zu werden. Übrigens: Sie können auch anfangen zu
singen. Ob im Chor, unter der Dusche oder beim Radio hören. Menschen, die regelmäßig singen,
leben nachgewiesenermaßen entspannter und zufriedener.

2. Akzeptieren Sie – zunächst einmal – den Stress. Manche haben ein Problem mit dem Problem.
Der Stress stresst zusätzlich, wenn er nicht sein darf - weil man die Kontrolle verliert, andere die
eigene Souveränität anzweifeln würden oder – vorübergehende - Lösungslosigkeit nur schwer zu
ertragen ist. Aber: objektiver Stress lässt sich besser bewältigen, wenn ich ihn subjektiv nicht
vergrößer.

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